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Dienstag, 27. September 2016

AUS DEM SCHÜTZENGRABEN GEBUDDELT - DEUTSCHES WEHRMACHT-KRIEGSBROT VON 1914



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Anlässlich meines Blog-Events "Ein Brot für Götz von Berlichingen" hat Don Sadowsky, Autor des äusserst populären Gast-Posts "Echtes Brot? Wirklich?"in den Schützengräben von Verdun herumgebuddelt, und dieses (zwar nicht mittelalterliche, aber immerhin historische) Rezept der deutschen Wehrmacht aus dem Ersten Weltkrieg ausgegraben. 

Auch wenn Dons angeborene Bescheidenheit ihn daran hindert, es zuzugeben - sein 1914 German Army Kriegsbrot kommt einem "Echten Brot" schon ziemlich nahe!

Hier sein Beitrag:

Karin, du hast dazu aufgerufen, ein Brot zu Ehren des Gottfried von Berlichingen, Götz mit der Eisernen Hand, zu kreieren. Deine Freunde haben sich der Herausforderung gestellt, und eine Vielzahl fantasievoller, hübscher und wohlgeformter Brote beigesteuert.

Powered by BannerFans.comUnnötig zu sagen - mein Brot ist nichts dergleichen!

Götz war Soldat. Er verbrachte sein Leben auf dem Felde (wenn er nicht gerade eingekerkert war und Geld zusammenkratzen musste, um sein eigenes Lösegeld zu bezahlen).

Er verzehrte keine hellen und appetitlichen Brote, die von Meisterbäckern zubereitet wurden. Er ass grobes, einfaches Militärbrot, das von jemandem gebacken wurde, der sich noch vor zwei Tagen einen Pfeil aus dem Bein gezogen hatte.

Soldaten auf dem Feld brauchten Brot, das rasch hergestellt werden konnte, den harten Bedingungen des Feldzugs widerstand, und sich hielt, während die Männer draussen kämpften.

Geschmack? Hah! Die Söldner assen, was für Brot sie auch immer ergattern konnten. Und du kannst darauf wetten, dass sie Brot erhielten, das mit den billigsten, verfügbaren Zutaten hergestellt wurde, (aber keine Angst, dies wird nicht ganz so wie mein "echtes Brot").

Wie soll so ein Brot aber aussehen, wenn es derart drakonischen Anforderungen entsprechen muss? Also, Armeen haben seit Jahrtausenden mit ihren Mägen marschieren müssen, daher sollten sie wohl die Kunst perfektioniert haben (wenn "Kunst" das passende Wort dafür ist).

Deutsche Soldaten, mit Kriegsbrot gestärkt, bedienen die Kanone "Dicke Bertha

Und da es Militärgeschichte-Enthusiasten in jedem hintersten Internet-Winkel gibt, war es für mich einfach, ein Jahrhundert zurückzugreifen, und ein Rezept für ein Brot aus der Ration der deutschen Wehrmacht (Kriegsbrot) von 1914 zu aufzustöbern (bei The Trenchline, hier leicht abgeändert). Ich kann nicht für Genauigkeit garantieren, aber wir wissen ja schliesslich, dass alles im Internet wahr ist.

Das Brot ist grob, geht schnell auf, enthält - als gutes deutsches Kommissbrot - eine ordentliche Portion Roggen, hat einen steifen Teig (59% Hydratation), und würde wohl nie einen Brotwettbewerb des 21. Jahrhunderts gewinnen, obwohl ein paar Konzessionen an den Geschmack gemacht wurden (die Soldaten des Deutschen Heeres müssen ihren Kakao wirklich geliebt haben).

Aber es gehört sich nicht, einfach ein vorhandenes Rezept zu kopieren, egal wie passend es ist, daher habe ich eine Änderung vorgenommen, um das Kriegsbrot in etwas zu verwandeln, das wahrlich dem Mann von der Eisernen Hand Ehre macht.

Leider sieht es mehr wie ein Tribut an Götz vom Eisernen Fuss aus - mich hat schliesslich noch niemand beschuldigt, ein Künstler zu sein.

Das Brot wurde so ungefähr der klotzigste Ziegelstein, den ich je fabriziert habe. Es war fest genug, um als nützliches Grabwerkzeug zu fungieren, oder einen Granatsplitter sicher abzufangen, wenn es, mit etwas Glück, in die richtige Position gebracht wurde.

Es zu essen, machte mich übellaunig genug, um in den Krieg zu ziehen (vielleicht war das ja die Absicht).

t)
Die Schützengräben von Flandern - die Soldaten konnten ihr Kriegsbrot gut gebrauchen
  

KRIEGSBROT DER DEUTSCHEN WEHRMACHT VON 1914

420 g Roggenmehl
369 g weisses Vollkornweizenmehl*)
  43 g Kakao
  13 g/1.5 EL Trockenhefe**)
    7 g/1 EL Kümmel
  34 g/2 TL Salz
110 g brauner Zucker
          Pflanzenöl
  28 g Butter
473 g Wasser

*) Ich hatte gerade welches da - weisser Vollkornweizen wäre von den Mannen des Kaisers sicher mit Verachtung gestraft worden.                                          

**) Ich habe Trockenhefe genommen - bloss keine langsame Reifung!.

Kriegsbrotteig - hart wie Kruppstahl!

Die Mehle, Kakao, Kümmel und Salz in einer grosser Schüsssel mischen.

Braunen Zucker und Butter mit Wasser in einem Topf unter Rühren erhitzen, bis alles geschmolzen ist. Etwas abkühlen lassen und die Hefe hinzufügen. (Ja, das geht garantiert schnell auf!)

Hefemischung mit Mehlmischung in der Schüssel vermischen, und genügend Pflanzenöl hinzugeben, um den Teigball einzufetten. So lange kneten, bis sich ein geschmeidiger Teig bildet.

Teig zugedeckt an einem warmen Ort ruhen lassen.

Ein Backblech einfetten und bemehlen (der Bequemlichkeit halber habe ich Backpapier benutzt)

Wenn der Teig 2 Stunden lang aufgegangen ist, ausstossen. Zu einem Ball formen und leicht flachdrücken, so dass er etwa 6 cm hoch ist. (Hier habe ich etwas modifiziert).

Teigling leicht mit Öl bestreichen. 1-2 Stunden lang reifen lassen.

Bei 200ºC 20-25 Minuten, oder so lange backen, bis das Brot gar ist.

Ein Brot, so nützlich wie ein Schweizer Offiziersmesser 

Mittwoch, 7. Mai 2014

VICTORIANISCHES GEBÄCK - ENGLISH DIGESTIVE BISCUITS


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Unser ABC Mai-Projekt hörte sich für mich nicht allzu verlockend an - English Digestive Biscuits - Englische Verdauungskekse!

Meine Verdauung ist üblicherweise nicht das, woran ich denke, wenn ich Kekse backe (eine eingehendere Diskussion dieses Themas wurde von meinem Haus-Zensor gestrichen: "You Germans with your scatological humor - gross!")

Aber als ich mir das Rezept von King Arthur's Flour näher anschaute, erfuhr ich, dass die Biscuits eine interessante Geschichte haben. 1851 in einer Londoner Zeitung als "verdauuungsfördernde Braunmehl-Kekse" beworben, wurden sie später als "nahrhaftes Essen für Leute mit schwacher Verdauung" sogar patentiert!
 
Urweizen Einkorn
Historisches Brot und Gebäck (oder welches mit einer Verbindung zur Geschichte) fasziniert mich, daher beschloss ich, die Biscuits zu backen - obschon keiner von uns an schwacher Verdauung leidet (und schon gar nicht an Unterernährung!)

Nach Durchlesen vieler Rezept-Bewertungen reduzierte ich die Zuckermenge (von 85 auf 50 g), tauschte den Puderzucker gegen braunen Zucker aus und fügte eine Prise Salz hinzu.

Und weil ich den nussigen Geschmack gern mag, nahm ich Einkornmehl anstatt Vollkornweizen.

Der Food Prozessor machte kurzen Prozess mit dem Teig und das Ausrollen war ebenfalls einfach. Der Teig ist auch recht unempfindlich, selbst mehrfaches Wiederausrollen der Reste machte die Kekse nicht zäh.

Kaum aus dem Ofen, schnappte sich mein Cookiemonster Ehemann einen Biscuit. Er behauptete, es sei ein "Malfatti" (misslungen) und müsse daher eliminiert werden. Ich bestand auf zivilisierterem Verzehr - schliesslich waren die Kekse victorianisch! - und wir hatten sie zum 5-Uhr Tee.

Die Digestive Biscuits waren wirklich gut, zartkrümelig, mit buttrigem, leicht nussigen Geschmack. Der Zensor beurteilte sie als VIEL besser als gekaufte ("pappig"), und ich durfte mich als perfekte victorianische Hausfrau fühlen!

Delikat nahrhaft und gut für dich!

ENGLISH DIGESTIVE BISCUITS MIT EINKORN (nach King Arthur Flour)
(ca. 30 Kekse)

  57 g Weizenmehl Typ 405
170 g Einkornvollkornmehl (oder Vollkornweizen)
    5 g/1 gestr. TL Backpulver
113 g Butter (Zimmertemperatur)
  50 g brauner Zucker
 1 Prise Salz
 1/4 Cup/60 ml kalte Milch

Ofen auf 175ºC vorheizen. 2 Backbleche mit Backpapier (oder Silpat) auslegen.

Der Food Processor macht die Teigzubereitung einfach

Mehl, Zucker und Backpulver in die Schüssel des Food Processors geben (man kann aber auch den Mixer benutzen). Kurz vermischen. Butter und Milch dazugeben und so lange mixen, bis ein glatter Teig entsteht.

Plastikfolie verhindert das Kleben am Teigroller

Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche oder Silikonmatte legen. Ca. 4 mm dick ausrollen und in gewünschter Form ausstechen (ich habe eine runde Ausstechform mit Wellenrand und 58 mm Durchmesser benutzt).

Ich habe eine runde Ausstechform mit gewelltem Rand benutzt

Biscuits auf die vorbereiten Bleche legen und mehrfach mit einer Gabel einstechen (damit die Kekse flach bleiben - oder einfach zur Dekoration). Sie können relativ dicht nebeneinandergelegt werden.

Das Einstechen soll die Kekse flach halten

Kekse in ca. 15 bis 20 Minuten hell goldbraun backen, dabei Bleche nach der halben Backzeit um 180 Grad drehen, damit sie gleichmässig bräunen (bei mir: 20 Minuten, mit Umluft).

Victorianische Lady - sie hätte die Biscuits genossen!

Wenn ihr Lust habt, bei den Avid Bakers und ihrem monatlichen Backprojekt mitzumachen, klickt hier. Neue Mitglieder sind immer willkommen!


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