Freitag, 2. August 2013

MEINE SPEISEKAMMER: CREAM ODER SAHNE - MILCHPRODUKT- ÜBERSETZUNG

Quark findet man leider nur ausnahmsweise in den USA
Eine neuere, völlig überarbeitete und fürs Lesen auf dem Handy formattierte Version dieses Post findet ihr hier.
 
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Als ich zum ersten Mal St. Colomba Cream, eins meiner Lieblingsdesserts, in Maine zubereitete, wusste ich nicht so recht, was ich anstelle von Sahnequark (der hier nicht erhältlich ist) nehmen sollte.

Sahnequark ist mit Sahne gemacht, überlegte ich mir, vielleicht versuch ich's mal mit Mascarpone - den gibt es hier nämlich. Gesagt, getan.

Aber anstatt einer sahnigen Creme wurde daraus eine wuchtige Vanillemasse. Mit 30% mehr Fett als vorgesehen, lag uns die Stachelbeerspeise der Heiligen Colomba wie ein Stein im Magen. Ich hätte mir mal lieber das Etikett vorher ansehen sollen....

Nach meiner Übersiedlung von Europa in die USA musste ich mich an etliche neue, oder etwas unterschiedliche Milchprodukte gewöhnen.

Erstaunt war ich über das Riesenangebot fettarmer oder fettloser Joghurt-, Milch-, und Frischkäsesorten, ganz besonders in Hinblick auf die hohe Rate stark übergewichtiger Leute, an deren Anblick ich mich nur mühsam gewöhnen konnte. "Don't stare!" ("Guck nicht so auffällig!") musste mich mein Mann anfangs oft ermahnen.

"Plain Yogurt" - die Normalfett-Version

Einige Milchprodukte schienen genau die gleichen zu sein wie in Deutschland. Aber waren sie das wirklich?

Saure Sahne heisst, ins Englische übersetzt, "sour cream", aber ist sie mit amerikanischer Sour Cream identisch?  (Nein, ist sie nicht!) Und Sauerrahm oder Schmand sind doch ebenfalls gesäuerte Sahne? Aber auch keine Sour Cream!

Ich nehme Half & Half gern anstatt Sahne beim Kochen

Der Unterschied zwischen "Whipping Cream" und "Heavy Cream"? Beides ist Schlagsahne, aber Heavy Cream enthält mehr Fett.

Aber was ist "Half & Half" (Halb und Halb)? Das gleiche wie "Light Cream"? (Nein, Light Cream ist fetter).

Zum Glück ist es für die meisten amerikanischen Milchprodukte nicht so kritisch, wenn man nicht ganz genau das entprechende europäische  Gegenstück findet - ganz im Gegensatz zu den unterschiedlichen Mehltypen.

Der Unterschied liegt oft im Fettgehalt. Aber in vielen Fällten kann man ein vollfettes gegen ein fettärmeres Milchprodukt austauschen, um eine leichtere Version eines Rezepts zu erhalten, und umgekehrt.

Trotzdem ist es immer gut, wenn man weiss, woran man ist, wenn man einen brauchbaren Ersatz für Schlagsahne, Sour Cream & Co. finden will.

Philadelphia Frischkäse, hier wie dort beliebt

Einige amerikanische Frischkäsesorten, wie Hüttenkäse und Philadelphia, haben den Sprung über den grossen Teich geschafft, ebenso wie einige ursprünglich europäische Milchprodukte auch in den USA erhältlich sind (wie Ricotta, Mascarpone und Crème fraîche).

Käsekuchen ist leichter und lockerer als Cheesecake
Aber Quark, eine klassische Back-Zutat deutscher und jüdischer Einwanderer, wurde durch billigeren Frischkäse ersetzt, und hat leider nie ein Comeback erlebt.

Obwohl es ein paar Molkereien in den USA gibt, die Quark produzieren, findet man ihn nur selten im Supermarkt, und dann ist er sehr teuer.

Um typisch deutschen Käsekuchen in den USA ohne Quark zu backen, musste ich mir daher eine völlig eigene Version ausdenken.

Hier ist eine Liste der normalerweise in Deutschland, Österreich, Schweiz und den USA erhältlichen Milchprodukte mit ihrem Fettgehalt.


SÜSSMILCH-PRODUKTE   (erhältlich in:)

Deutschland/Österreich/Schweiz                  USA                                    Fettgehalt (%)
Fettarme Milch                                          Low-fat Milk                                        1 - 2

Vollmilch                                                    Whole Milk                                          3.5

     -                                                            Half and Half                                   10.5 - 18
     -                                                            Light Cream                                       18 - 30
Schlagsahne                                           Whipping Cream                                   30 - 36
Schlagobers                                             Heavy Cream                                       36 plus
Creme double                                                    -                                                  40 - 45
Süssrahm-Butter                                 Sweet Cream Butter                                 80 - 82
                                                                                                                                


SAUERMILCH-PRODUKTE  (erhältlich in:)

Deutschland/Österreich/Schweiz              USA                                        Fettgehalt (%)
Buttermilch                                             Buttermilk                                             0 - 2
Magermilchjoghurt                             Low-fat Yogurt                                            2
Dickmilch                                                      -                                                       3.5
Kefir                                                           Kefir                                                    3.5
Joghurt                                                   Plain Yogurt                                        3.5 - 4
Frischkäse Leicht                            Light Cream Cheese                                       7
     -                                                    Light Sour Cream                                    7.2 - 8
Magerquark                                        (Low-fat Quark)                                         10
Hüttenkäse                                          Cottage Cheese                                          10
Saure Sahne                                                  -                                                        10
Griechischer Joghurt                            Greek Yogurt                                            10
Sahnejoghurt                                                 -                                                   10 plus
     -                                                       Sour Cream                                          12  - 16
Ricotta                                                    Ricotta                                                   13
Quark/Topfen                                          (Quark)                                                 20
Schmand/Sauerrahm                                     -                                                   20 - 29
Crème fraîche                                    Crème fraîche                                         30 - 40
Frischkäse                                         Cream Cheese                                             34
Sahnequark                                                   -                                                       40
Mascarpone                                         Mascarpone                                          70 plus
Sauerrahm-Butter                          Sour Cream Butter                                     80 - 82


Diese Tabelle ist sicher nicht vollständig, und möglicherweise sind auch Fehler vorhanden - bitte lasst mich wissen, falls ihr einen seht. Aber dies sind die besten Informationen, die ich finden konnte.

Bei amerikanischen Milchprodukten gibt es noch weit mehr fettarme Versionen (z. B. bei Hüttenkäse, Ricotta und Mascarpone). Die können bei Bedarf natürlich auch verwendet werden, um fettärmer zu backen und zu kochen. Völlig fettfreie Joghurts & Co. habe ich weggelassen - kein Fett ist kein Fett!


Europäische Butter ist besser für Croissants

Einige amerikanische Produkte unterscheiden sich nur gering von ihren europäischen Namensvettern, wie etwa Butter - USA: 80% Fett, Europa: 82% -aber diese zwei Prozent spielen nur bei laminiertem Teig, wie bei Croissants, eine Rolle.

Einige Produkte schmecken ein bisschen anders: Joghurt und Buttermilch sind generell etwas säuerlicher in Europa als in den USA.

Aber man kann problemlos Milchprodukte mit ähnlicher Konsistenz, Säure und Fettgehalt gegeneinander austauschen.


WIE MAN AUSTAUSCHT  (gilt für Deutschland - für die USA bitte hier nachsehen)

Wenn ein amerikanisches  Produkt in der gleichen Reihe aufgeführt ist: nimm es (wie Buttermilch = Buttermilk).

Für Half & Half: nimm 3/4 Vollmilch und 1/4 Schlagsahne

Für Light Cream: nimm 1/2 Vollmilch und 1/2 Schlagsahne

Für Whipping Cream and Heavy Cream: nimm Schlagsahne oder Schlagobers.

Für Sour Cream: nimm Saure Sahne, Griechischen Joghurt, oder Sahnejoghurt. Rein als Dip (etwa zu Ofenkartoffeln) würde ich den etwas fetteren Schmand bevorzugen. 

Um den leider kaum erhältlichen Quark in den USA zu ersetzen, muss man entweder in die  Käseproduktion einsteigen, oder sich mit Kompromisslösungen abfinden. (Mehr darüber ebenfalls in der englischen Version dieses Posts).

Irische St. Colomba Cream, ein leckeres Sommerdessert mit Stachelbeeren und Quark


Dienstag, 16. Juli 2013

OLIVENBROT - AUS FEINDEN WERDEN FREUNDE


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Unsere Patchwork-Familie hat zwei Dinge gemeinsam, wir lieben gutes Essen und mögen keine Oliven!
Selbst die schlechtesten Esser unter unseren Kindern - Valerie, die den Mund zum Rechteck verzog, wenn sie (auf Mutterns Befehl) wenigstens einen Bissen probieren musste, bevor ihr berüchtigtes "Mag nicht!" ertönte; und Francesca, die im Restaurant einfach nur "weissen Reis" bestellte - entwickelten sich zu Feinschmeckern. Valerie wurde sogar Köchin!

Chef Valerie und stolze Mutter
Die Andersons und ihre Sprösslinge puhlen Oliven von Pizzen, und lassen sie unangetastet in der Salatschüssel liegen. Sie bestellen keine Tapenade und trinken keine Martinis. Aber dann passierte etwas Sonderbares...

Da ich wusste, dass viele Leute Olivenfans sind, und sie in jeglicher Form schätzen, hielt ich Ausschau nach einem Brotrezept, um diese hartgesottenen Oliven-Liebhaber unter meinen Kunden zufriedenzustellen.

Ich fand auch eins in meinem geliebten "Brot aus Südtirol" und beschloss, es auszuprobieren, mit leichten Veränderungen (Vorteig und kalter Gare).

Es war ein ziemlicher Kampf, die schlüpfrigen Oliven in den Teig hineinzuzwingen (vielleicht spürten sie meine Abneigung).

Ich fand es auch nicht gerade einfach, den Teig genau so auszurollen, dass ich ihn in zehn einigermassen gleichgrosse Stücke teilen konnte, ohne viel Verschnitt.

Meine erste Partie "Pane di Olive" sah denn auch aus wie deformierte Scones, dazu voller unschöner blauer Flecken (etwa Zeichen meiner Misshandlung?)

Mit ziemlichen Vorbehalten und ohne grosse Erwartung biss ich in ein oliventrächtiges Brötchen. Nahm noch einen ungläubigen Bissen und war zutiefst geschockt - das Olivenbrot schmeckte gut, richtig gut, unglaublich gut!!

Unglaublich gut!

Ich gab eins Richard, dem bereitwilligsten aller Versuchskaninchen-Ehemänner (aber auch dem grössten Olivenfeind unter uns), der es misstrauisch beäugte. "Du solltest es lieber 'Malfatti" nennen" (italienisch für "misslungen") meinte er abfällig.

Mir zu Gefallen knabberte er dann aber doch vorsichtig an einer Ecke des Olivenbrötchens. IM NU WAR ES VERSCHWUNDEN! 

Nur qualitativ hochwertige Oliven nehmen!

Beim wiederholten Backen des Olivenbrots - es war nämlich tatsächlich ein grosser Hit bei meinen Kunden - lernte ich ein paar Tricks, um die Zubereitung einfacher zu machen.

Vor allem ist es wichtig, nur qualitativ hochwertige Oliven, wie z.B. Kalamata, zu nehmen. Der Geschmack des Brotes hängt nämlich davon ab, also bitte nicht am falschen Ende sparen!

Trocknen auf Küchenkrepp hilft enorm

Wenn du die Oliven nicht nur abtropfen, sondern dazu mehrere Stunden auf Küchenkrepp trocknen lässt, sind sie weniger schlüpfrig, und gehen wesentlich bereitwilliger eine Verbindung mit dem Teig ein.

Du schlägst ausserdem zwei Fliegen mit einer Klappe, denn auch die hässlichen "blauen Flecken" bleiben aus.

Anstatt einen Vorteig zu verwenden, finde ich es einfacher, den Teig mit Strecken und Falten zu verarbeiten, plus Übernachtung im Kühlschrank. Durch die langsame Reifung benötigt man auch weniger Hefe.

Eine Schablone vereinfacht das Ausrollen

Ein bisschen Rechnen (nicht unbedingt eine meiner Stärken) und eine Papierschablone machten schliesslich das Ausrollen und Zerteilen des Teigs beinahe zum Kinderspiel!


OLIVENBROT   (nach Richard Ploner: "Brot aus Südtirol")
(10 Stücke)

Teig
250 g Weizenmehl Typ 405
250 g Weizenmehl Typ 550
    4 g Trockenhefe (oder 12 g Frischhefe)
    9 g Salz
    5 g Honig
  30 g Olivenöl
100 g Oliven in guter Qualität (z.B. Kalamata)
240 g Wasser

zum Bestreichen
 12 g Milch
 12 g Sahne
   7 g Zucker

 
1. TAG:
Oliven im Sieb abtropfen lassen, grob hacken und auf einer dicke Lage Küchenkrepp mehrere Stunden trocknen lassen (sie werden immer noch feucht sein).

Alle Teigzutaten, ausser den Oliven, auf niedriger Stufe (oder mit Holzlöffel) 1-2 Minuten lang mischen, bis alles Mehl durchfeuchtet ist. Teig 5 Minuten ruhen lassen.

Auf mittel-niedriger Stufe (oder mit der Hand) 2 Minuten lang kneten, dabei (falls nötig) etwas mehr Wasser dazugeben (Teig soll noch etwas kleben). Weitere 4 Minuten lang kneten, dabei nach und nach die Oliven dazugeben (Teig soll immer noch eher ein bisschen kleben).

Teig von oben wie einen Geschäftsbrief falten

Teig auf eine leicht eingeölte Arbeitsfläche befördern und mit eingeölten oder nassen Händen zu einem Rechteck auseinanderdrücken und -ziehen. Von oben und unten wie einen Geschäftsbrief in 3 Teile falten. Das Gleiche von beiden Seiten wiederholen.

Teigpaket zu einer Kugel zusammennehmen, und mit der Naht nach unten in eine eingeölte Schüssel legen. Zugedeckt 10 Minuten lang ruhen lassen.

Nach dem Strecken und Falten hat man ein Teigpäckchen

Dieses Strecken und Falten noch 3 x wiederholen, in 10-minütigen Abständen. Nach dem letzten Falten den Teig, gut zugedeckt, über Nacht in den Kühlschrank stellen (er kann am nächsten Tag kalt verarbeitet werden).

2. TAG
Ofen auf 210ºC vorheizen. Aus Pergamentpapier eine 24 x 30 cm Schablone ausschneiden. Backblech mit Backpapier auslegen.

Über Nacht hat sich der Teig im Kühlschrank verdoppelt

Milch, Sahne und Zucker zum Abstreichen in einer kleinen Schüssel gut verrühren. In der Mikrowelle aufkochen lassen. Herausnehmen und beiseite stellen.

Ausgerollt und markiert

Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche mit Hilfe der Schablone zu einer 24 x 30 cm grossen, etwa 1.5 cm dicken Platte ausrollen. Kanten begradigen. Teigplatte erst mit einem Pizzaschneider oder Messer längs halbieren, dann jede Hälte in 5 gleich grosse Teile schneiden. (Teig ist sehr weich).

Mit dem Löffelstiel eindrücken

Teigstücke aufs Backblech legen. Mit Milch-Sahne-Mischung bestreichen. Mit dem Stiel eines Holzlöffels in gleichmässigen Anständen tief eindrücken.

Zugedeckt 30 - 40 Minuten lang gehen lassen, bis sie beinahe um das Doppelte aufgegangen sind und eine mit dem Finger eingedrückte Delle sichtbar bleibt.

Brote (ohne Dampf) 10 Minuten lang backen, Blech um 180 Grad drehen, und 10 Minuten (oder so lange) weiterbacken, bis die Brote goldbraun sind. (Innentemperatur mindestens 93ºC).


Wir haben uns immer noch nicht von dem Schock erholte, dass die Andersons doch Oliven mögen - SOLANGE SIE SICH IN OLIVENBROT BEFINDEN!


Bei Panissimo eingereicht:  Bread & Companatico
                                            Indovina chi viene a cena                                            

Freitag, 5. Juli 2013

SELBSTGEMACHTER SAUERTEIG - GANZ EINFACH!

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Nach meiner Übersiedlung von Hamburg nach Maine reagierte mein Magen begeistert auf Hummerbrötchen, Crabcakes und Blaubeer-Pie.

Amerikanisches Brot lehnte er dagegen strikt ab. Im Supermarkt fand ich aber nur das übliche, schlabberweiche Wonderbread (vermutlich deshalb so genannt, weil man sich wundert, was, ausser Chemie, noch darin enthalten ist).

Wonderbread - ein Wunderwerk der Lebensmittelchemie!

Und was werbewirksam als "Artisan Bread" (Bäckerbrot) angeboten wird, ist auch nicht viel besser -  ausser, das es eine dicke, gummiartige Kruste hat.

Dann fiel mir beim Stöbern in einem Küchenladen ein interessantes Kochbuch in die Hände, "French Farmhouse Cooking" von Susan Loomis. Ich blätterte darin herum und fand zu meiner Freude ein Sauerteigbrot mit einem REZEPT FÜR SELBSTGEMACHTEN SAUERTEIG!

Inspiration für mein erstes Sauerteigbrot
Sehen und Kaufen war eins, und, kaum zuhause, machte ich mich ans Werk. Um ganz sicher zu gehen, hatte ich auch ein Tütchen Sauerteigextrakt im Naturkostladen erstanden.

Ich wollte zwei gleiche Brote backen, eins mit Do-it-yourself, das andere mit Fertigsauerteig. Eins davon musste ja, hoffentlich, etwas werden!

Ich rührte also Mehl und Wasser in einer Schüssel an, und hoffte, dass die im Mehl und in der Luft befindlichen wilden Hefen, Milch- und Essigsäurebakterien die so freundlich angebotene Nahrung annehmen, und mit rapider Vermehrung danken würden.

Lactobacillus, Saccharomyces und Co. taten mir diesen Gefallen, und mein erster Sauerteig wurde geboren. Und so nahm meine Karriere als Brotbäckerin ihren Anfang.

Meine ersten Versuche fielen naturgemäss eher bescheiden aus. Mit dem Besitz eines gültigen Sauerteigs ist es für einen völlig unerfahrenen Bäcker ja noch lange nicht getan, schliesslich muss man auch wissen, wie man einen Teig und schliesslich ein Brot daraus macht.

Meine ersten Laibe, von backsteinartiger Dichte und Härte, wurden dennoch tapfer von uns verzehrt, schliesslich hatten wir noch all unsere Zähne, und der Geschmack war allemal besser als der von Wonderbread.

In diesem Stadium lagen selbstgezüchteter Sauerteig und Fertigprodukt noch gleichauf im Rennen, doch je öfter ich beide Starter auffrischte, desto mehr schob sich der "Wildling" nach vorn. Nach drei Monaten war er dem Gekauften in Geschmack und Triebstärke eindeutig überlegen!

Reifer Sauerteig mit typischer Schwammstruktur unter der Oberfläche

Das Rezept ist sehr unkompliziert, nur Wasser und Mehl, und hat jedesmal funktioniert, wenn ich aus Versehen meinen ganzen Sauerteig aufgebraucht, und nichts mehr zum Anfüttern eines neuen übriggelassen hatte.

Welches Mehl soll man nehmen? Am besten Sorten, die viel Stärke als Nahrung für die Sauerteigkulturen enthalten, also Weizen, Roggen oder Dinkel.

Weizen- und Dinkelsauerteige sind eher mild, Roggensauerteig dagegen hat einen kräftiger säuerlichen Geschmack. 

Wenn man erstmal einen aktiven Starter gezüchtet hast, kann man ihn durch Füttern mit einem anderen Mehl nach Bedarf ganz einfach umwidmen, etwa einen Weizen- in einen Roggensauerteig verwandeln.

Manche Backbuchautoren schwören auf die Zugabe von saurem Fruchtsaft, Zwiebelwürfeln oder anderen (mehr oder weniger exotischen) Zusätzen, um zu verhindern, dass unerwünschte Bakterien das Wachstum der wilden Hefen stören. Dieses Problem habe ich aber nie gehabt, meine Hefen sind immer prima gewachsen.

Und wenn doch eine Alien-Invasion den Mehlbrei heimsucht, bevor die Sauerteigbakterien ihn ausreichend versäuern konnten? Wenn er sich ominös verfärbt, oder gar einen schimmeligen "Pelz" bekommt? Eklig stinkt, anstatt nur leicht nach Essig zu duften?

Dann schmeisst man ihn eben weg, wäscht die Schüssel gründlich ab, und fängt, für ein paar Cent Mehl, noch einmal neu an!

Aber Vorsicht, während des Säuerungsprozesses kann manchmal vorübergehend schon ein etwas unangenehmer Geruch (wie nach Erbrochenem) entstehen. Der verschwindet aber von allein wieder, wenn Hefen und Bakterien zu einem harmonischen Miteinander gefunden haben, und macht einem angenehm fruchtig-säuerlichen Duft Platz.

Saatenbrot, mit Roggensauerteig

SAUERTEIG-STARTER      (adaptiert von Susan Loomis: "French Farmhouse Cooking"
(In 4 - 5 Tagen gebrauchsfertig)

2 Tassen Weizen-, Roggen-, oder Dinkelmehl
1 Tasse lauwarmes Wasser (nicht über 40ºC, sonst sterben die Sauerteigkulturen ab!)

1 TAG
In einer mittelgrossen Schüssel die Hälfte des Mehls (1 Tasse) und des Wassers (1/2 Tasse) zu einem Brei verrühren, der an dicken Pfannkuchen- oder Waffelteig erinnert.

Schüssel mit einem sauberen Küchentuch zudecken, und an einen warmen Ort stellen.
Unter diesen angenehmen Bedingungen können die wilden Hefen und Sauerteigbakterien anfangen, sich zu vermehren. Sie haften hauptsächlich am Getreide, befinden sich aber auch in der Luft.

2. TAG:
Die Mikroorganismen wollen einfach nur ungestört ihre Arbeit leisten. Also lass sie einfach in Ruhe!

3. TAG:
Schau dir den Starter an. Er soll ein bisschen angeschwollen sein und kleine Blasen zeigen, dazu leicht säuerlich riechen. Er wird möglicherweise auch eine etwas dunklere Oberfläche haben. Keine Sorge, das bedeutet, dass die Hefen und Bakterien aktiv sind.

Jetzt die 2. Tasse Mehl mit 1/2 Tasse Wasser zum Sauerteig geben und gut untermischen. Wieder mit dem Küchentuch abdecken und weitere 24 bis 48 Stunden lang an einem warmen Ort stehen lassen.

4. - 5. TAG:
Der Starter ist fertig, wenn er einen angenehm sauren Geruch hat, kleine Blasen formt und die Oberfläche etwas dunkler geworden ist.

Sauerteig in einen Behälter mit gut verschliessbarem Deckel füllen (er muss darin genügend Platz zum Ausdehnen haben, denn beim Transport wird er wieder etwas zusammenfallen). Im Kühlschrank aufbewahren.

Der Sauerteigstarter ist jetzt gebrauchstfertig, und kann als Ausgangsbasis für Sauerteigbrot genommen werden.

ACHTUNG : Nie allen Starter aufbrauchen, sondern immer ein Stückchen aufbewahren, genug, um ihn wieder aufzufrischen und einen neuen Sauerteig daraus zu machen!

Bauernbrot (weisser Sauerteig)


SAUERTEIG-PFLEGE
Am einfachsten ist es, einen Allround-Starter zu haben, der pflegeleicht ist, und als Ausgangsbasis für jeden erwünschten Sauerteig dienen kann. Dafür ist ein Vollkornweizen- oder Roggenstarter besser geeignet, als ein weisser Sauerteig, und ein festerer Sauerteig hält sich länger als ein flüssiger.

Mein Standardstarter ist ein Vollkornweizensauerteig, der 75 g Wasser auf 100 g Mehl enthält. Dieser 75%-ige Starter hat eine mittelmässige Säure, und hält sich mindestens 2-3 Wochen im Kühlschrank, ohne aufgefrischt zu werden.

Die Formel dafür lautet (in der Bäckermathematik wird der Mehlanteil immer mit 100% angesetzt!):
100% Vollkornmehl + 33% Mutterstarter (Anstellgut) + 75% Wasser

Vollkornweizensauerteig 75% (Auffrischung)
60 g Mutterstarter (Anstellgut)
180 g Vollkornweizenmehl
135 g lauwarmes Wasser

Zutaten miteinander verrühren, bis alles Mehl durchfeuchtet ist. Zwei Minuten lang kneten, dann 5 Minuten lang ruhen lassen. Noch 1 weitere Minute kneten. Zugedeckt mehrere Stunden oder über Nacht stehen lassen, bis er sichtbar aufgegangen ist. (Wie schnell das passiert, hängt von der Umgebungstemperatur ab). In einen verschliessbaren Behälter füllen, und in den Kühlschrank stellen.

Glutenarmer Roggensauerteig bildet keine schwammartige Struktur

Umwandlung in einen Roggensauerteig:
 Mit 180 g Roggenmehl füttern, sonst wie oben verfahren. Reifer Roggensauerteig bildet keine schwammartigen "Fasern", weil er kaum Gluten enthält. Er sieht eher aufgepufft aus.

Weisser Sauerteig bildet ein Schwammgeflecht unter der Oberfläche

Umwandlung in einen weissen Weizensauerteig:
Mit 180 g Mehl Typ 550 füttern, aber nur 113 g Wasser dazugeben (weisses Mehl braucht weniger Wasser als Vollkornmehl). (Formel: 100% weisses Mehl + 33% Mutterstarter (Anstellgut) + 63% Wasser)

Viele Bäcker schwören darauf, ihren Sauerteig bei Zimmertemperatur zu aufzubewahren. Da sich die Sauerteigkulturen dann natürlich sehr viel schneller vermehren, muss ein solcher Starter täglich gefüttert werden.

Wohin aber mit dem Überschuss an Sauerteig? Wer nicht täglich bäckt, und viel Sauerteig verbraucht, wird ihn wegschmeissen müssen, bevor der ständig wachsende Starter wie im Märchen vom Hirsebrei die Küche überrollt.

Ich werfe ungern etwas in den Müll, das vollkommen brauchbar und in Ordnung ist. Daher bewahre ich meinen Mutterstarter lieber im Kühlschrank auf.


SAUERTEIG-SURVIVAL-GUIDE
Was tun, wenn man nun Lust auf Palmen und Strand hat, aber seinen mühsam gezüchteten Sauerteig nicht im heimischen Kühlschrank verhungern lassen will?

Lust auf Palmen und Strand? Was tun mit dem Sauerteig?
1. Vollstopfen: Am Tag vor der Abreise sollte man seinen Starter immer auffrischen. Eine normale Fütterung (s.o.) reicht für eine zweiwöchige Abwesenheit.

Bei längerem Urlaub gilt: doppelt hält besser, also mit der zweifachen Menge an Mehl und Wasser füttern.

2. Trocknen: Sauerteig in einer dünnen Schicht auf einem grossen Schneidebrett verstreichen. Bei Zimmertemperatur mehrere Tage austrocknen lassen.

Sauerteigflocken auf ein Stück Papier schaben und in einen gut verschliessbaren Behälter füllen.

Trockensauerteig hält sich praktisch unbegrenzt im Kühlschrank. Zur Wiederbelebung einfach mit der gleichen Menge an lauwarmem  Wasser verrühren. Nach 2 Stunden Einweichzeit ganz normal wieder mit Wasser und Mehl füttern.

3. Einfrieren. Im Prinzip möglich. Dabei werden allerdings etliche Hefezellen den Kältetod sterben, und es wird sehr viel länger dauern, bis der Sauerteig wieder aktiv und arbeitsfähig ist.


TOT ODER LEBENDIG?
Du hast eine mehrwöchige Kreuzfahrt gewonnen, aber vor Aufregung vergessen, deinen Sauerteig zu füttern, bevor du an Bord gegangen bist. Oder du stellt eines Tages voller Schrecken fest, dass dein Starter in seiner Behausung schrumplig darniederliegt, und eher tot als lebendig aussieht!

Du erforschst Maya-Ruinen in Cobà - aber dein Starter?
Woran erkennt man, ob ein Sauerteig endgültig das Zeitliche gesegnet hat, oder wiederbelebt werden kann?

Selbst, wenn der Sauerteig schwärzlich und schrumpelig ist, eine Wasserlache darüber steht, und er nicht mehr angenehm nach Essig, sondern käsig riecht:

Untersuche ihn immer auf Lebenszeichen, bevor du ihn in den Müll wirfst.

Nimm die obere, dunkle Schicht mit einem Esslöffel ab: wenn du darunter noch helleren Sauerteig mit typischer Schwammstruktur findest, ist noch nicht alles verloren!

Rette etwas vom gesunden Teig, gib ihm Mehl und Wasser zu essen, und der verloren Geglaubte wird wieder zum Leben erwachen.

ABER: Finger weg, wenn dein Starter sich einen "Pelz" zugelegt hat. Ein verschimmelter Sauerteig gehört in den Mülleimer. R.I.P.!

TIPP: Auch wenn du keine Reise nach Cancun gewinnst: es empfiehlt sich auf jeden Fall, einen Backup-Trockensauerteig im Kühlschrank zu haben!


ABER WARTE, HIER KOMMT NOCH WAS!
Ich bin nämlich zufällig auf ein paar ganz unkonventionelle Möglichkeiten gestossen, einen Sauerteig zu züchten: für Faulpelze, die ihren Kühlschrank nicht ausräumen, bevor ihre Marmelade oder ihr Apfelmus alkoholisch wird, und für gesundheitsbewusste Kefir-Fans - guckt euch meinen Post SPASS MIT SAUERTEIG an!

Vergorenenes Apfelmus - nicht wegschmeissen: füttern!

Wer mehr über Sauerteig wissen will: Martin Pöt Stoldt's "Der Sauerteig - das unbekannte Wesen" behandelt das Thema wirklich umfassend.

Cranberry-Power-Brot mit Vollkornweizensauerteig

(Quellen: Susan Loomis: French Farmhouse Cooking, Peter Reinhart: Whole Grain Breads,
Martin Pöt Stoldt: Der Sauerteig - das unbekannte Wesen)

Eingereicht bei Sugarpricess Yushka's Blog-Event "Kruste und Krume für Einsteiger"

Dienstag, 18. Juni 2013

BACON-KÄSE-SCHNITTLAUCH-SCONES - EINE LECKERE ÜBERRASCHUNG


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Diesmal hatte Hanaâ pikante Scones für unser ABC-Juni-Projekt ausgesucht. Ich war von dieser Idee nicht besonders begeistert: Scones, gern, aber salzige? Nicht von ungefähr hatte ich in meiner alten Küche in Grosshansdorf ein Schild mit dem schönen Spruch hängen: "Life is uncertain - eat the dessert first!"

Und als ich mir dann das Rezept für die Bacon-Cheddar-Chive Scones anguckte, war ich auch erstmal von der Menge Bacon geschockt, ein ganzes halbes Pfund! Kein Wunder, dass einige Leute die Salzigkeit der Scones kritisiert hatten. Ich mag zwar Bacon gern (wer tut das nicht?), aber da war sicher etwas Wahres dran.

Blühender Schnittlauch in unserem Garten

In unserem Garten wächst aber eine Menge Schnittlauch, der gerade mächtig ins Kraut schoss, und ich hatte einen guten Mainer Cheddarkäse im Kühlschrank. Daher beschloss ich, den pikanten Scones eine Chance zu geben. Um auf Nummer Sicher zu gehen (für den Fall, dass wir sie nicht mochten), nahm ich aber vorsichtshalber nur die halbe Menge des Rezepts.

Knuspriger Speck - wer kann da schon widerstehen?

Zu meiner Beruhigung schmurgelte der Bacon durch das Ausbraten erheblich zu zusammen, und liess auch das meiste Fett in der Pfanne und auf dem Küchenkrepp zurück. (Meine Arterienverkalkung rückte wieder etwas in die Ferne). 

Und ich reduzierte das Salz im Teig um die Hälfte, denn der Käse enthielt ja schliesslich auch noch Salz.

Farblicher Dreiklang aus Käse, Bacon und Schnittlauch

Dies schien mir eine gute Gelegenheit, etwas von dem weissen Vollkornmehl zu benutzen, das King Arthur Flour uns ABC-Bäckern freundlicherweise gespendet hatte, daher tauschte ich 42 g normales Weizenmehl gegen Vollkornweizenmehl aus (ca. 17%).

Genauso wie mit Irischem Sodabrot, muss man mit Scones behutsam umgehen. Gewaltsames Kneten nehme sie sehr übel, und rächen sich an groben Bäckern, indem sie hart und zäh werden, anstatt locker und zart.

Gemeinerweise ist der Teig aber sehr bröselig. Die scheinbar logische Konsequenz - mehr Flüssigkeit dazugeben -  ist leider aber keine Lösung, denn auch davon wollen die Krümelmonster nichts wissen. Der Teig darf nicht wirklich homogen sein, sondern in mehr oder weniger klumpig bleiben.

Ich schiebe, falte und drücke den Teig mit einem Teigschaber von allen Seiten in der Schüssel so lange zusammen, bis er nicht mehr auseinanderfällt. Und ist er trotzdem noch zu trocken, giesse ich mir etwas Flüssigkeit in die Hände, so dass sie feucht sind, und drücke damit den Teig zurecht.

Ich finde es auch einfacher, einen klebenden Teig auf einer leicht eingeölten oder angefeuchteten Arbeitsfläche zu verarbeiten, als auf einer eingemehlten Unterlage. Gerade bei den übelnehmerischen Scones will ich ja vermeiden, mehr Mehl in den Teig zu bekommen!

Ob mit Zwanzig oder Mitte Sechzig - wenn Richard Gitarre spielt, ist er völlig versunken!


Die Küche roch bereits appetitanregend, als ich den Bacon ausbriet. Aber als dann die Scones im Ofen waren, kam sogar mein Mann - mit Kopfhörern und Gitarre normalerweise blind und taub für seine Umgebung - aus dem zweiten Stock herunter, um herauszufinden, was da so verführerisch duftete.

Die Scones sahen sehr lecker aus, also probierten wir einen, kaum dass sie ein bisschen abgekühlt waren. Wir sahen einander wortlos an, mit seligem Blick - und assen einen zweiten... 

Wie schade, dass ich nicht die ganze Portion gebacken hatte!!!

Frisch aus dem Ofen - ich hätte mal die doppelte Menge backen sollen!

BACON-KÄSE-SCHNITTLAUCH-SCONES    (adaptiert von King Arthur Flour)
(für 8 grosse, 12 mittlere, oder 16 kleine Scones)

226 g Bacon
200 g Weizenmehl
  42 g  Vollkornweizenmehl (ich habe das etwas mildere, weisse genommen)
1/4 TL Salz
   1 EL Backpulver (gestrichen)
    2 TL Zucker
  57 g kalte Butter, in kleine Stücke geschnitten               
114 g/1 Tasse Cheddar, sehr grob geraspelt oder gewürfelt
  15 g Schnittlauch (oder grüner Teil von Frühlingszwiebeln), gehackt           
200 g Schlagsahne
Schlagsahne zum Abstreichen

Bacon ausbraten, auf Küchenkrepp entfetten und dann zerkrümeln.

Ofen auf 220ºC vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen.

Mehl, Salz, Backpulver und Zucker in einer grossen Schüssel miteinander verrühren.

Einige grössere Butterstückchen sollen noch sichtbar sein

Mit den Fingern Butterstückchen in die Mehlmischung reiben, bis sie krümelig aussieht. Einige grössere Butterklümpchen sollen dabei noch vorhanden sein. (Einen Food Processor zu benutzen, lohnt sich bei der geringen Buttermenge nicht!)

Bacon, Käse und Schnittlauch in die Mehlmischung rühren

Käse, Bacon und Schnittlauch unter die Mehlmischung rühren.

Sahne dazugiessen und unterrühren. Mit dem Teigschaber oder den Händen Teig zusammendrücken. bis er einigermassen zusammenhält. Ist er aber doch noch zu trocken, Hände mit etwas mehr Sahne anfeuchten und sanft drücken, bis der Teig nicht mehr in einzelne Krümel zerfällt.

Der Teig soll in Klumpen zusammenhängen, darf aber nicht homogen sein

Teig auf eine leicht eingeölte (oder angefeuchtete) Arbeitsfläche legen. Für grosse Scones Teig zu einer 18-cm Durchmesser Scheibe formen (2 cm dick). Für mittlere und kleine Scones den Teig erst in 2 gleich grosse Stücke teilen, und dann daraus 15-cm Scheiben formen.

Für mittelgrosse Scones werden die Scheiben in je 6 Stücke geschnitten

Teigscheiben mit einem Teigmesser oder Spatel auf das vorbereitete Backblech befördern. Für grosse Scones die grosse Scheibe in 8 Keile schneiden. Für mittlere oder kleine Scones die beiden kleineren Teigscheiben in jeweils 6 bzw. 8 Stücke schneiden.

Bevor sie in den Ofen kommen, werden die Scones mit Sahne abgestrichen

Scones auf dem Blech ein bisschen auseinanderschieben (an diesem Punkt kann man sie auch über Nacht in den Kühlschrank stellen, oder einfrieren.) Mit Sahne abstreichen.

Grosse Scones 22 - 24 Minuten lang backen, mittelgrosse Scones 20 - 22 Minuten, und kleine 18 - 20 Minuten, bis sie goldbraun sind.

Auf dem Blech abkühlen lassen. Am besten schmecken sie noch warm, oder bei Zimmertemperatur.


ZUM VORBEREITEN:

Wenn man am nächsten Morgen backen will: Geformte, aber unglasierte (!) Scones mitsamt dem Backblech in eine grosse Plastiktüte schieben, und über Nacht in den Kühlschrank stellen (Scones erst vorm Backen mit Sahne bestreichen!) Wenn man sie kalt bäckt, brauchen sie einfach nur ein bisschen länger.

Gefrieren: Geformte, aber unglasierte (!) Scones mit dem Backblech in den Tiefkühlschrank stellen. Sobald sie gefroren sind, vom Blech nehmen und in einen Gefrierbeutel legen.

Zum Backen die gefrorenen Scones aufs Backlech legen, mit Sahne abstreichen, und im 220ºC heissen Ofen 35 bis 40 Minuten backen, bis sie goldbraun sind.



Mittwoch, 5. Juni 2013

RHABARBER-EIERSCHECKE - WIE MAN EINE TORTE KLEIN KRIEGT

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Das erste Mal hörte ich von einer Eierschecke durch meine Cousine Uta. Als ich ihren Post bei Facebook las, glaubte ich erst an einen Schreibfehler. Es war aber keine "Schnecke", die sie gebacken hatte, sondern tatsächlich eine n-lose "Schecke".

Was für ein sonderbarer Name! Ich machte mich bei Wikipedia schlau, und erfuhr, dass diese Kuchenspezialität aus Thüringen und Sachsen nach einer dreigeteilten, mittelalterlichen Männertunika benannt war, und folgerichtig aus drei Schichten besteht: Boden, Quarkfüllung mit Äpfeln oder Mohn, plus einem Eier-Sahne-Guss.

Die spätmttelalterliche Schecke - männliches Gegenstück zum Minirock

Im Mai fuhren wir nach Sachsen, und da war sie: in jedem Bäckerladen gab es die Schecke, Unterfamilie Dresdner Eierschecke. Als Hefe- oder Rührteig, mit oder ohne Rosinen, vom Blech oder als Torte.

Nicht umsonst ist: "Life is uncertain - eat the dessert first!" (Das Leben ist ungewiss - iss das Dessert zuerst!) ein Credo der Anderson-Familie. Mein Mann wird immer ganz andächtig, wenn er eine deutsche Konditorei betritt, und mich treibt ausser der Lust auf Kuchen auch noch die bäckerische Neugier.

Dresdner Eierschecke (links neben den Torten)

Diese Neugier und der leckere Geschmack der Eierschecke bewogen mich, kaum wieder zuhause, nach einem Rezept zu suchen. Ich bin kein grosser Freund von Rosinen, und mag auch nicht gern zu Süsses, deshalb sollte mein Kuchen auch etwas säuerlich Fruchtiges enthalten.

Äpfel, eine klassische Scheckenzutat, gibt es das ganze Jahr hindurch, aber jetzt war gerade Rhabarberzeit. Und den hatte ich auch im Kühlschrank. Ich gab also bei Google "Eierschecke" und "Rhabarber" ein, und wurde auch prompt fündig.

Dieses Rezept, von Thomas (Tolotika) bei kochbar.de, gefiel mir am besten. Es hatte einen Mürbeteig, das Rhabarberkompott war mit Vanillepuddingpulver angedickt, und der Eierschecke-Guss enthielt nicht nur Eier, saure Sahne und Pudding, sondern auch Quark.

So gern ich Quark auch mag - es gibt ihn praktisch nicht in den USA, und wenn doch, ist er sauteuer und schmeckt nicht so wie er soll. Daher benutze ich für meinen deutschen Käsekuchen auch Philadelphia, der, mit Zitronensaft und geschlagenem Eiweiss vermischt, in Geschmack und Konsistenz Quark noch am Nächsten kommt.

Ein Problem galt es noch zu lösen. Richard und ich essen zwar gern Kuchen, aber wir sind nur zu zweit, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die lockere Eiermasse über der Fruchtschicht mehrere Tage hält, ohne matschig zu werden.

Also, wieder Freund Google gefragt, diesmal nach: "Umrechnung grosse Kuchen kleine Kuchen". Gibt es etwas, das es im www nicht gibt? Um ein Rezept für eine 26-cm Durchmesser Torte auf ein 18-cm grosses Törtchen umzurechnen, muss man sich nur den Taschenrechner greifen, und jede Zutat mit dem Faktor 0.48 multiplizieren.

Den Zucker habe ich ein bisschen reduziert, der Kuchen ist aber auch so immer noch süss genug.

Das Ergebnis konnte sich wahrhaftig sehen und schmecken lassen! Der säuerliche Rhabarber bildet einen angenehmen Kontrast zu süssen Eiermasse, und das Ganze ist so fluffig und luftig, dass es bestimmt keine einzige Kalorie enthält!


RHABARBER-EIERSCHECKE-TÖRTCHEN  (adaptiert von Tolotika bei kochbar.de)
(6 Personen)

RHABARBER
450 g Rhabarber, in ca. 1-cm Stücke geschnitten
75 g Zucker
21 g Vanillepuddingpulver

MÜRBETEIG
120 g Weizenmehl
  30 g Zucker
  60 g kalte Butter, in Stücke geschnitten
 1/2 Ei *)
 1/2 gestr. TL Backpulver
Gries und Brotkrumen (zum Bestreuen)

*) Wie man ein Ei halbiert? Ganz einfach: auf einer Waage in eine Tasse schlagen, gut verrühren, und dann mit einem Teelöffel die Hälfte abnehmen.

EIERSCHECKE
40 g Zucker
2 Eier, getrennt
1 ½ TL Zitronensaft
1 TL abgeriebene Zitronenschale
60 g Saure Sahne
60 g Quark oder Philadelphia
10 g Vanillepuddingpulver


VORABEND:
Rhabarber mit Zucker in einer Schüssel gut vermischen. Zugedeckt über Nacht ziehen lassen.

BACKTAG:
Rhabarber in einem Sieb über einer Schüssel abtropfen lassen. 170 ml Saft auffangen (bei mir hat es nicht ganz gereicht, ich habe die fehlenden 20 ml mit Milch aufgefüllt).
Eine 18-cm Durchmesser Springform gut einfetten und mit Gries ausstreuen.

Mürbeteig kneten, bis kein loses Mehl mehr zu sehen ist.

Food Processor: Mehl mit Backpulver und Zucker kurz vermischen. Ei und Butterstückchen dazugeben, und pulsieren, bis die Mischung sich zusammenklumpt und kein loses Mehl übrig bleibt. Oder alle Zutaten mit der Hand oder dem Handrührgerät verkneten.

Mürbeteig zu einem Ball formen, etwas flachdrücken und in den Boden der vorbereiteten Springform pressen, dabei an den Seiten einem kleinen Rand hochdrücken. Bis zum Gebrauch in den Kühlschrank stellen.

Mürbeteigboden

Ofen auf 225ºC vorheizen.

Aus dem Vanillepuddingpulver und dem aufgefangen Rhabarbersaft gemäss Packungsanweisung einen Pudding kochen. Rhabarberstücke hineingeben und gut verrühren. Mischung ein bisschen abkühlen lassen.

Vanillepudding mit Rhabarberstücken gleichmässig auf dem Boden verteilen

Kuchen ca. 25 Minuten lang vorbacken. Aus dem Ofen nehmen. Ofentemperatur auf 210ºC reduzieren.

Eigelbe mit den übrigen Zutaten für die Eierschecke schaumig rühren. Eiweisse steifschlagen und vorsichtig unter die Eiermasse heben.

Eischnee vorsichtig unter die Eiermasse heben

Eierscheckenmasse über den vorgebackenen Kuchen giessen und mit einem Plastikspatel glattstreichen.

Eierscheckenmasse über der Torte verteilen und (einigermassen) glattstreichen

Törtchen in etwa 20 Minuten fertigbacken. Anschliessend noch mindestens 15 Minuten im abgeschalteten Ofen stehenlassen, dabei die Tür einen Spalt öffnen.

Rhabarber-Eierschecke auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Ein bisschen wird sie, trotz aller Vorsicht, einsinken.

Frisch aus dem Ofen sieht die Eierscheckentorte wie ein Käsekuchen aus

Oder sie, wie die gefrässigen Andersons, noch warm verzehren!!!


Dresden ist wirklich eine Reise wert - nicht nur wegen der berühmten Eierschecke!










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