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Donnerstag, 31. Dezember 2015

STOLLEN-TORTE MIT BLAUBEEREN - IDEALE RESTEVERWERTUNG!



Gelegentlich zieht sich der beste aller Ehemänner mit Gitarre, Mikrofon und Laptop in unsere Ferienwohnung in Portland zurück, um unbehelligt von Ehefrau, Katzen und Telefon (und umabgelenkt von TV) im stillen Kämmerlein zu komponieren.

Vor zwei Jahren, als ihn die Muse mal wieder überkam, und er keine Lust hatte, seine kostbare Zeit mit Kochen oder Essengehen (anstatt mit GarageBand) zu verplempern, griff er sich im Supermarkt einen Stollen - ein nachweihnachtliches Sonderangebot (und stark herabgesetzt!)

Das meiste davon brachte er mit nach Hause - wer kann schliesslich tagelang von Stollen leben? Da war er nun, und wartete auf willige Esser, wo es hier doch nur zwei Leute gab, die nach all den Feiertagen bereits genügend Stollen für den Rest des Jahres gegessen hatten.

Stollenrest zum Recyceln
St. Honoré, Schutzheiliger der Bäcker, musste offenbar ein Einsehen gehabt haben, als er mich beim Anblick des Stollens Vergangener Weihnachten aufseufzen hörte.

Am nächsten Tag fand ich nämlich auf meiner Blogliste einen neuen Post von Bäckermeister Wolfgang Süpke: die resteverwertende Stollen Torte!

Da mein Stollenrest nicht ganz ausreichte, reduzierte ich die Torte von 28 cm auf 21 cm Durchmesser. (Keiko's Cakes hat ein praktisches Konversions-Tool, um Rezeptmengen für verschiedene Kuchenformengrössen umzurechnen.)

Der gekaufte Stollen war reichlich süss, daher nahm ich ein bisschen weniger Zucker. Ausserdem fand ich, dass etwas Zitrone und Vanille der sahnigen Füllung nicht schaden könnten.

Und als Bewohner eines Staats, der für seine wilden Blaubeeren berühmt ist, verwendete ich natürlich keine Konserve, sondern lieber gefrorene Blaubeeren (und verdoppelte auch gleich die Menge). Quark gibt es hier bekanntermassen (leider) nicht, daher nahm ich für die Füllung Philadelphia.

Wir lieben diese Reste-Torte! Die Süsse des Stollenbodens wird durch die Beeren und die leicht zitronige Cremefüllung ausgeglichen. Mittlerweile habe ich sie schon dreimal nach Weihnachten zubereitet - mit Stollen, Panettone, und dieses Jahr sogar mit Mohnstollen!

Dafür verkneifen wir uns sogar, unsere Stollen radikal aufzuessen, und sparen uns die Menge für die Torte buchstäblich vom Munde ab. Was ist nämlich besser als Stollen? STOLLEN-TORTE!!!

Einfach nur mit Blaubeeren bestreut sieht die Torte auch hübsch aus


STOLLEN-TORTE  MIT BLAUBEEREN (nach Wolfgang Süpke)
(12 Stücke)

Maine ist berühmt für seine wilden Blaubeeren
Torte
560 g TK-Blaubeeren (unaufgetaut)
420 g Stollen, in 1.5-cm dicke Scheiben geschnitten
130 g Zucker
17 g Gelatinepulver
56 g kaltes Wasser
225 g Schlagsahne (Zimmertemperatur)
225 g Doppelrahmfrischkäse (Zimmertemperatur)
225 g Joghurt (Zimmertemperatur)
1/2 TL Vanilleextrakt oder 1/2 P. Vanillezucker
3 EL Zitronensaft (oder mehr, nach Geschmack)
2 TL abgeriebene Zitronenschale (oder mehr, nach Geschmack)

Frosting und Dekoration
125 ml Schlagsahne, geschlagen
Blaubeeren

Zubereitung:
Blaubeeren mit 20 g vom Zucker aufkochen. Unter gelegentlichem Rühren offen weiterkochen lassen, bis der Saft um ca. 1/3 reduziert ist (bei zu viel Flüssigkeit läuft sie aus dem Tortenboden heraus).

Einen 21-cm Kuchenring (oder Ring einer Springform) innen einfetten und mit Puderzucker bestreuen.  Auf ein mit Pergamentpapier belegtes Backblech platzieren. Den Ring dicht mit Stollenstücken auslegen, dabei die Löcher mit kleineren Stückchen füllen.

Kuchenring mit Stollenstücken auslegen

Gekochte Blaubeeren mit (reduziertem) Saft gleichmässig über dem Stollenboden verteilen.

Blaubeeren mit Saft gleichmässig auf dem Stollenboden verteilen

Wasser in eine kleine mikrowellenfeste Schüssel geben, Gelatinepulver darüberstiegen, und ein paar Minuten lang quellen lassen. Anschliessend kurz in der Mikrowelle erwärmen, bis sich die Gelatine völlig aufgelöst hat, dabei gelegentlich umrühren. (Oder Gelatine im Wasserbad auflösen).

Frischkäsefüllung zubereiten

Sahne schlagen, bis sich weiche Spitzen formen. In einer grossen Schüssel Frischkäse, Joghurt, Zucker, Vanille, Zitronensaft und -schale gut miteinander verquirlen. Geschlagene Sahne unterrühren bis alles gut vermischt ist.

Zum Temperieren der Gelatine nacheinander 3 Esslöffel von der Crememischung unterrühren und gut vermischen. (Sollte die Gelatine klumpen, weil es nicht schnell genug ging, einfach noch mal ein bisschen in der Mikrowelle erwärmen).

Füllung über den Blaubeeren verteilen

Gelatinemischung unter ständigem Rühren in die Creme giessen und gut vermischen. Füllung über die Blaubeeren geben und mit einem Plastikspatel gleichmässig verstreichen.

Torte zugedeckt mehrere Stunden, am besten über Nacht, in den Kühlschrank stellen, bis die Füllung steif ist, und sich der Stollenboden mit Blaubeersaft vollgesogen hat (ein bisschen wird immer herauslaufen).

Jetzt muss die Torte nur noch dekoriert werden

Zum Servieren den Kuchenring entfernen. Die Seiten mit geschlagener Sahne bestreichen, und die Torte nach Belieben garnieren. (Wie unten Sahnerosetten aufspritzen und mit Blaubeeren füllen oder einfach nur mit Blaubeeren bestreuen.)

Stollen-Torte mit Blaubeeren

Diese Torte ist gleichzeitig mein Dezember-Beitrag für Sugarprincess Yushka's Blog-Event "Calendar of Cakes". 

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(Ursprünglich im Januar 2013 auf meinem amerikanischen Blog "Brot & Bread" veröffentlicht, habe ich diesen Post umgeschrieben und ergänzt.)

Dienstag, 21. April 2015

ALE-CRUST POTATO PASTIES - DAN LEPARD'S BIERTEIG-TASCHEN MIT KARTOFFELFÜLLUNG


Click here for the English version of this post














Vor drei Jahren hat mich meine reizende Stieftochter Cat dazu überredet, Twitter beizutreten - als ob ich nicht schon genügend Zeit am Computer sitzen würde!

Es ist aber ganz lustig, dem Dalai Lama zu folgen (dessen Tweets mal nichts mit Essen zu tun haben, aber Gedankennahrung sind) oder den "News" des Satiremagazins The Onion ("Die Medienlandschaft mag sich verändern, aber unsere tiefe Verachtung für unsere Leser nie!")

Meistens schaue ich mir Tweets von Backfreunden an, diversen Food-Magazinen und berühmten Bäckern wie z. B. Dan Lepard.

Brown Ale schmeckt in und zur Pasty!
Der Autor von Art of the Handmade Loaf und Short & Sweet (beides sehr empfehlenswert) veröffentlichte jahrelang seine Rezepte auf der Lifestyle-Seite des Guardian (inzwischen leider nicht mehr!)

Als ich sein Rezept für Ale Crust Potato Pasties sah, sprang ich gleich auf mein Fahrrad (ungelogen, im November - in Maine!!) um Brown Ale, Cheddar-Käse und Zwiebeln einzukaufen.

Pasties sind mit Gemüse und Fleisch gefüllte Teigtaschen, ursprünglich die (leicht transportierbare) Mahlzeit von Bergarbeitern in südwestenglischen Cornwall.

Inzwischen haben sie sich aber auch andernorts verbreitet, woran möglicherweise eine beliebte britischen Comedy-Sendung über die berüchtigten Geordies nicht ganz unschuldig ist.

Der Teig wird, wie bei vielen von Lepards Broten, nur minimal, ohne viel Kneten gemischt, die Hände oder ein Kochlöffel reichen, denn die Butterstücke sollen sichtbar bleiben und dürfen nicht schmelzen.

Ähnlich wie bei Croissants, wird der Bierteig mehrfach gefaltet, ausgerollt und zwischendrin gekühlt, damit er schön blättrig wird.

Ich habe die Kartoffel-Zwiebel-Füllung ein bisschen mit Bacon aufgepeppt. Die Füllung hätte auch für neun Taschen gereicht, daher habe ich die Menge entsprechend reduziert.

Die Pasties schmeckten sehr gut, wir mochten besonders gern den leckeren, würzigen Bierteig.

So eine gefüllte Bierteigtasche verschwindet schnell!

ALE-CRUST POTATO PASTIES  - BIERTEIG-TASCHEN MIT KARTOFFELFÜLLUNG  (nach Dan Lepard)

(6 Stück)

TEIG
325 g Weizenmehl Typ 550, (plus extra Mehl zum Ausrollen)
175 g Dinkel- oder Vollkornweizenmehl (ich habe Dinkelmehl genommen)
10 g Salz (2 TL)
300 g kalte Butter, gewürfelt (ca. 1 cm)
250 ml kaltes Newcastle Brown Ale oder ein anderes dunkles Bier

FÜLLUNG
2 Scheiben Bacon, gewürfelt
265 g Zwiebeln, gehackt
¼ TL Salz
1 EL Olivenöl
65 g Wasser
Salz und Pfeffer
50 ml Schlagsahne
350 g gekochte Kartoffeln, gewürfelt
70 g geriebener, scharfer Cheddar (oder ein anderer würziger Käse)
Ei, leicht gequirlt, zum Bestreichen

Der Teig wird nur so lange gemischt, bis er halbwegs zusammenklumpt

TEIG:
In einer Schüssel Mehl und Salz verrühren. Butterstückchen untermischen. Bier dazugiessen und zu einem groben Klumpen vermischen (die Butterstücke sollen noch sichtbar sein).

So grobklumpig soll der Teig aussehen

Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche legen und zu einem ca. 1 cm dicken, ungefähren Rechteck ausrollen.

Auch nach dem ersten Ausrollen sind die Butterstücke noch erkennbar

Teig wie einen Geschäftsbrief in 3 Teile falten, nochmal ausrollen und wieder in 3 Teile falten. Teigpaket in Plastikfolie wickeln und für 30 Minuten ins Gefrierfach legen.

Diesen Prozess noch 2 x in 30-minütigen Abständen wiederholen. Danach den Teig 1 Stunde lang im Kühlschrank ruhen lassen.

Das Teigpaket wandert zwischendurch immer wieder in den Kühlschrank

FÜLLUNG:
Bacon in einem Topf ausbraten. Mit Schaumlöffel herausheben, zum Abtropfen auf Küchenkrepp legen, und beiseite stellen.

Zwiebeln, Öl, Wasser und 1/4 TL Salz in den Topf geben und aufkochen lassen. Solange kochen lassen, bis alle Flüssigkeit verdampft ist, und die Zwiebeln sehr weich sind.

Sahne hineingiessen und etwas einkochen lassen. Vom Herd nehmen, Kartoffeln und Bacon unterrühren und gut mit Salz und Pfeffer abschmecken. Abkühlen lassen.

Eine Teighälte wird ausgerollt und in 3 Streifen geschnitten

Teig halbieren. Eine Hälfte bis zum Gebrauch zurück in den Kühlschrank stellen. Die andere Hälfte zu einem Rechteck von ca. 23 x 33 cm ausrollen, dann in 3 Teile von je 23 x 11 cm Länge schneiden (geht gut mit Pizzaschneider).

Zur Hälfte mit Füllung belegen (hier eine Gänsereste-Rotkohl-Füllung)

Teigstreifen mit Wasser bestreichen, bis zur Hälfte mit etwas Füllung belegen (dabei Ränder freilassen), und mit Käse bestreuen. Andere Hälfte darüberklappen, und Ränder mit einer Gabel fest zusammendrücken.

Mit der zweiten Teighälfte wiederholen. Teigtaschen mindestens 30 Minuten lang kaltstellen. Währenddessen den Ofen auf 200ºC vorheizen.

Kurz vorm Backen werden die Pasties mit Ei bestrichen

Teigtaschen mit Ei bestreichen, evtl Ränder geradeschneiden (wenn man ein Neat Freak ist). Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und die Teig-Oberseite mit einem spitzen Messer mehrfach einschneiden (damit der Dampf entweichen kann).


15 Minuten backen, Blech um 180 Grad drehen, und weitere 15 - 25 Minuten weiterbacken, bis die Pasties aufgegangen und goldbraun sind.


Frischgebackene Pasties

RESTEVERWERTUNG
Pasties eignen sich übrigens auch hervorragend zum Recycling von Bratenresten. Kurz nach Weihnachten habe ich Pasties mit unseren Gänsebraten-, Rotkohl- und Kartoffelresten samt Sauce befüllt, und sie haben ebenfalls sehr gut geschmeckt.

EINFRIEREN
Ungebackene, gefüllte Pasties (ohne Eiglasur) lassen sich auch prima einfrieren. Sie können unaufgetaut gleich in den Backofen wandern (vorher mit Ei bestreichen), die Backzeit ist dann natürlich etwas länger.

Ale-Crust Pasty mit Gänseresten und Rotkohl von Weihnachten!

Diesen Post, erstmals Dezember 2011 auf meinem englischen Blog Brot & Bread veröffentlicht, habe ich völlig überarbeitet (und auf meinen deutschen Blog "umgezogen").

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